Programm  

Provokationen

Donnerstag, 15. April, 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr:

Provokation 1: Keine Selbstbestimmung ohne Fürsorge

"Was willst Du, dass ich Dir tue?" Ist dieses Wort Jesu in den Diensten und Einrichtungen der Caritas Richtschnur der Kultur des Helfens? Oder herrscht nicht vielmehr noch das Motto einer paternalistischen Fürsorge im Sinne von "ich weiß schon, was für Dich gut ist" vor?

  • Welchen Begriff von Helfen braucht eine Kultur der selbstbestimmten Teilhabe?
  • Wer und was hilft den Helfenden, sich von einem falsch verstandenen Helfersyndrom zu befreien?
  • Wie kann das Machtungleichgewicht zwischen Helfenden und Hilfebedürftigen im Sinne einer selbstbestimmten Teilhabe aufgehoben werden?

Diesen und ähnlich spannungsgeladenen, kontroversen Fragen soll in der Provokation nachgegangen werden.

 

Dokumentation:


Referent:

Moderation:

  • Dr. Irme Stetter-Karp, Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart
  • Dr. Elisabeth Fix, DCV, Berliner Büro

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Provokation 2: Keine Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit

Das Wort Gerechtigkeit ist in aller Munde. Viele sehen die soziale Gerechtigkeit in Deutschland stark gefährdet und erleben ein Auseinanderdriften der Gesellschaft. Manche beobachten aber auch eine Gerechtigkeitsrhetorik. Die Gesellschaft steht in der Pflicht, Gerechtigkeit für alle zu verwirklichen. Gerechtigkeit geht nicht ohne Barmherzigkeit.

  • Wie steht es um die Barmherzigkeit?
  • Wie ist das Verhältnis von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit?
  • Und am konkreten Beispiel: Tragen Tafeln zu Gerechtigkeit und selbstbestimmter Teilhabe bei oder fördern sie neue Abhängigkeiten?

Nach einem provokanten Dialog über Gerechtigkeit und Barmherzigkeit werden diese Fragen mit einer Tafelexpertin aus der Caritas diskutiert. Gemeinsam werden Impulse für Positionierung und Angebote der Caritas entwickelt.

Dokumentation:

Referentinnen und Referenten:

  • Ulli Kulke , Reporter und Autor bei der WELT, Berlin
  • Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl , Sozialethiker, Katholische Hochschule Berlin / Katholische Universität Eichstätt-Ingoldstadt
  • Claudia Klee , Abteilungsleiterin Soziale Dienste, Tafelexpertin, Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus

Moderation:

  • Barbara Handke, Geschäftsführerin, Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus
  • PD Dr. Ulrike Kostka, Abteilungsleiterin für theologische und verbandliche Grundlagen, DCV

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Provokation 3: Keine selbstbestimmte Teilhabe ohne Gestaltungsräume der Mitarbeitenden

Nur Mitarbeitende, die ihre eigenen Vorstellungen in die Arbeit einbringen können, unterstützen auch ihre Klienten in der Wahrnehmung und Gestaltung ihrer Teilhabe. Selbstbestimmte Teilhabe von Klienten erfordert

  • eine entsprechende Philosophie des Trägers der Dienstleistungen,
  • eine entsprechende Haltung von Mitarbeitenden und Leitungen
  • und eine entsprechende Organisations- und Personalentwicklung.

Die zentralen Fragen, die in dieser Provokation behandelt werden, lauten:

  • Wie sehr sind wir uns als Leitungsverantwortliche in Diensten und Einrichtungen der Caritas bewusst, dass unsere Haltung und unser Leitungshandeln Vorbild für die Beziehungsmuster zwischen Mitarbeitenden und Klienten ist?
  • Welche Gestaltungsräume müssen wir Mitarbeitenden eröffnen, damit selbstbestimmte Teilhabe von Klienten möglich wird?

Dokumentation:

Referentin:

  • Miriam Reinhardt , Leiterin des Fortbildungsreferats im Sozialwerk St. Georg e.V., Gelsenkirchen
  • Andreas Slawik , Geschäftsführer des Rehabilitationszentrums Stadtroda gGmbH, Bad Klosterlausitz

Moderation:

  • Dr. Elisabeth Kludas, Sozialwerk St. Georg e.V, Vorsitzende der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP)

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Provokation 4: Keine christliche Ethik ohne Autonomie

Ansprüche auf Selbstbestimmung stellen für menschliches Zusammenleben immer eine Herausforderung dar. Die Liste der offenen Fragen ist lang. Sie betreffen Dienste und Einrichtungen der Caritas immer wieder und stellen einen Testfall für Humanität dar.

  • Wie sieht es etwa mit der Selbstbestimmung im Bereich der Altenpflege aus?
  • Welchen Umgang braucht es mit Patientenverfügungen?
  • Wie autonom dürfen Menschen bei welchen Entscheidungen sein?
  • Begrenzt christliche Ethik die Autonomie des Einzelnen – oder setzt sie sie für ihr eigenes Grundverständnis voraus?
  • In welchem Verhältnis stehen Autonomie und Menschenwürde?

In der Provokation wird diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Dokumentation:

Referenten:

  • Dr. Rupert Scheule , o. Professor für Moraltheologie und Christliche Sozialwissenschaften, Theologische Fakultät Fulda
  • Dr. Gerhard Kruip , Professor für Sozialethik an der Universität Mainz

Moderation:

  • Antonella Serio, DCV

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Provokation 5: Keine Teilhabe ohne Macht

Wie sind Märkte sozialer Dienstleistungen zu ordnen, damit die Nutzerinnen und Nutzer Einfluss auf den Hilfeprozess haben?

Hilfsbedürftige wollen im Hilfeprozess ihre Autonomie nicht verlieren. Selbstbestimmte Teilhabe soll soweit wie möglich befördert werden. Dies ist der Anspruch der Caritas.
Hilfebedürftige brauchen Wahlrechte, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen und welchen Anbieter sie dafür nutzen. Sie müssen mit ihren Wahlentscheidungen Macht ausüben können. Denn nur wenn ihre Entscheidung Einfluss auf den Hilfeanbieter hat, ist dieser gezwungen, sein Angebot an den Bedürfnissen der Hilfesuchenden zu orientieren.

Ein sozial gestalteter Wettbewerb sichert diese Wahlrechte. Er sorgt dafür, dass sich Dienste und Einrichtungen immer wieder aufs Neue mit den Wünschen ihrer Nutzerinnen und Nutzer auseinandersetzen müssen. Die Ordnung des Wettbewerbs muss dabei den Besonderheiten der sozialen Dienstleistungen gerecht werden. Nur so bleiben Hilfebedürftige nicht auf der Strecke. Nur so können Dienstleistungen mit guter Qualität effizient erbracht werden.

Die zentrale Frage für die Diskussionsrunde lautet:

  • Wie sind Märkte sozialer Dienstleistungen zu ordnen, damit die Nutzer Einfluss auf den Hilfeprozess haben?
  • Was bedeutet diese ordnungspolitische Herausforderung für die Caritas? 

Dokumentation:

Referenten:

Moderation:

  • Johannes Böcker, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.

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Provokation 6: Keine Professionalität ohne selbstbestimmte Teilhabe

Ein professioneller Helfer wird Verantwortung in dem Maß abgeben, wie er Selbstbestimmung ermöglicht. Er wird sich jedoch nie ganz aus der Verantwortung stehlen.
Teilhabe ist im Sozialgesetzbuch zur Zielvorgabe geworden. Mit dem Begriff Teilhabe ist es möglich geworden, die beiden Aspekte Selbstbestimmung und Gleichberechtigung in einen allgemeinen sozialpolitischen Zusammenhang zu stellen: Die sozialstaatlichen Ziele orientieren sich bei allen Bürgern daran, dass die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft gefördert und der Zugang zu allen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten eröffnet wird.
Noch ist diese Vorstellung nicht Allgemeingut in den Diensten und Einrichtungen der Caritas. Damit dieses Konzept umgesetzt werden kann, sind noch einige Voraussetzungen zu schaffen.

Dafür müssen folgende Fragen gestellt werden, derer sich die Provokation stellt:

  • Ist die Aus-, Fort- und Weiterbildung auf diese Entwicklung vorbereitet?
  • Haben die heute tätigen Mitarbeitenden die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen?
  • Was muss dafür getan werden, dass die persönlichen Eigenschaften, Einstellungen und Haltungen gefördert werden, um die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu ermöglichen?
  • Welche Organisationsformen fördern und unterstützen die selbstbestimmte Teilhabe der Mitarbeitenden?

Referentin:

Praktiker:

  • Meinrad Edinger Caritasverband Neckar-Odenwald-Kreis e.V.
  • Michael Klas, Katholische Altenwohn- und Pflegegesellschaft

Interview:

  • Hanno Heil, Vorsitzender Bischöfliches Ordinariat Limburg

Moderation:

  • Dr. Franz Fink, Referatsleiter Altenhilfe, Behindertenhilfe und Gesundheitsförderung des Deutschen Caritasverbandes  

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Provokation 7: Kein Ehrenamt ohne Eigeninteresse

Ehrenamt ist unentgeltlich, aber nicht umsonst zu haben. Ehrenamtliche erwarten heute einen persönlichen Ertrag, wollen in ihrem Engagement persönlich wachsen und nicht nur für Gotteslohn oder eine ehrende Erwähnung am Ehrenamtstag arbeiten. Ehrenamt soll die Biographie aufbessern und berufliche Chancen vergrößern.

  • Ist es aber dann noch Ehrenamt, noch uneigennützig?
  • Entstehen hier nicht eine Belohungserwartung und ein Belohnungssystem?
  • Hat das möglicherweise wenig mit "christlicher Nächstenliebe", aber viel mit "individueller Selbstverwirklichung" zu tun?
  • Oder ist diese Sichtweise einfach nur ehrlich und zieht den ideologischen Schleier vom "caritativen Ehrenamt"? Muss es nicht vielmehr einen Ertrag für den Engagierten geben, wenn ihm die Motivation nicht ausgehen soll?

Ziel der Provokation ist es, einen ehrlichen Blick auf das ehrenamtliche Engagement und die Motivation von Ehrenamtlichen zu ermöglichen.

Referent:

  • Ulrich Wickert , Fernsehjournalist und Autor, u.a. engagiert in der Förderung junger Journalisten und der Kinderhospiz-Arbeit

Moderation:

  • Mario Junglas, Direktor des Berliner Büros des DCV

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