
Blumen für die Rednerin: Caritaspräsident Peter Neher bedankt sich bei Gesine Schwan.
Durch Teilhabe die Gesellschaft mitgestalten
Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan machte in ihrer Rede zum Auftakt des Caritaskongresses deutlich, dass Teilhabe mehr ist als der Anspruch „auch irgendwie dabei zu sein“.
Das Recht der Teilhabe sei verbunden mit der Verpflichtung jedes einzelnen sich zu informieren, zu engagieren und Verantwortung
zu übernehmen.
In einer Demokratie gehe es darum, gemeinsam eine Vorstellung des Gemeinwohls zu entwickeln und individualistischen Tendenzen
entgegenzuwirken. Jeder müsse Verantwortung übernehmen, „aber eben nicht nur für sich und seine Interessen. Entscheidungen
müssen gemeinsam getroffen werden.“
Demokratie lebt von der Mitbestimmung
Schwan wies darauf hin, dass es immer wieder „Trittbrettfahrer und Mitläufer“ in einer Demokratie gebe. Jeder müsse sich aber bewusst machen, dass der Staat vom Gestaltungswillen und der Mitbestimmung freier Bürgerinnen und Bürger lebe. Es genüge nicht, Unzufriedenheiten mit Entwicklungen in Politik und Gesellschaft zu beklagen – jeder und jede sei aufgefordert sich selbst einzubringen und Veränderungen zu bewirken.
Liebe muss Motor der Teilhabe sein
Schwan betonte, dass die Verantwortung des Einzelnen aus christlicher Sicht auch bedeute, für andere Menschen mit einzustehen.
Das gelinge, wenn der Motor der Teilhabe die Liebe sei. Sie verbinde die Menschen untereinander und sorge dafür, dass Teilhabe
nicht auf einer funktionalen Ebene stehen bleibe.
Teilhabe von hilfebedürftigen Menschen dürfe keine Fiktion bleiben. Sie müsse ernst gemeint sein und auf Partnerschaftlichkeit
basieren. „Die Art der Ansprache ist entscheidend.“ Nur dadurch könne die latente Demütigung vom Helfenden zum Hilfeempfänger
überwunden werden.